Sonntag, 11. Dezember 2016
Gefangen im System
Ich bin nun seit 20 Jahren produktives, arbeitendes Mitglied unserer Gesellschaft und nun, einige Jahre nach der Geburt meines Kindes, haben mich die Umstände gezwungen, mich aus der Sicherheit meiner unbefristeten, gut bezahlten Arbeitsstelle zu bewegen und risikoreiche neue Wege zu gehen. Ich bin durch jahrelanges Mobbing auf der Arbeit krank geworden und fühle mich nicht mehr in der Lage, dort weiter zu arbeiten. Während meiner Krankschreibung hatte ich genug Zeit, mir Gedanken zu machen über Arbeit, mein Leben, meine Ziele und Wünsche und die „wichtigen“ Dinge im Leben. Die Schlüsse, die ich daraus gezogen habe, möchte ich hier teilen.

Vorher:

Ich habe einige Zeit nach meiner Hochzeit mit meiner Frau ein Kind bekommen. Wir entschieden uns dazu, dass meine Frau zuhause bleibt und sich um Haushalt und Kind kümmert, denn wir sind beide der Meinung, dass das für das Kind das wichtigste ist. Ich schaffe mir kein Kind an, damit es andere für mich groß ziehen. Ich möchte die Entwicklung meines Kindes, seine ersten Schritte und Worte selbst miterleben, es nach meinen eigenen moralischen Werten erziehen und ein gutes liebevolles und vertrautes Verhältnis zu meinem Kind aufbauen.
Ich habe genug Geld verdient, um als Alleinverdiener eine kleine Eigentumswohnung zu kaufen und ein paar Jahre nach der Geburt unseres Kindes, endlich auch ein kleines Auto. Wir müssen uns natürlich einschränken, aber wir sind nicht sehr anspruchsvoll. Ein kleines Fahrzeug reicht, günstige, zweckmäßige Möbel auch. Wenn wir jeweils unsere relativ günstigen Hobbies (Computerspiele und Handarbeiten) pflegen können, sind wir glücklich, aber uns ist eine gesunde Ernährung wichtig und die kostet auch etwas mehr Geld, wenn man qualitativ hochwertige Nahrungsmittel haben möchte.
Unser Kind ist sehr unkompliziert. Sie war schon als Baby sehr pflegeleicht, lieb und hat kaum geschrien. Sie hat schon immer auf Nein gehört, ist bescheiden und selbst als die ersten Zähne kamen, hat sie kaum geweint. Sie hat früh in ihrem Bett geschlafen und sogar bis zum Morgen durch. Außerdem ist sie klug und spielt bereits sehr gut Klavier. Sie hat eine starke musikalische Begabung. Wir haben unsere Tochter mit 6 Jahren einen AID2-Test auf eigene Kosten bei einem Facharzt machen lassen und das Ergebnis bescheinigte ihr einen IQ von 130, was Hochintelligenz bedeutet. Wir haben den Test machen lassen, weil sie Verhaltensweisen aufwies, die uns vermuten ließen, dass sie eine hohe Intelligenz besitzen würde. Der Test hat dies v.a. im Bereich Kreativität bestätigt und vielleicht deshalb bekam unsere Tochter bereits in der 1. Klasse der Regelgrundschule Probleme. Weil unser Kind an einem „ungünstigen“ Datum geboren wurde, wurde sie bereits mit 5 Jahren eingeschult, kurz vor dem sechsten Geburtstag. Daher war sie noch sehr kindlich, verspielt und unaufmerksam.
Ich habe mich erschrocken über den Leistungsdruck, der bereits in der 1.Klasse auf die Kinder ausgeübt wurde und vor allem über das Konkurrenzverhalten, dass sofort gefördert wurde. Es gab verschiedenfarbige Hefte, in denen die Kinder frei arbeiten konnten. Wenn sie ein Heft abgeschlossen und einen kleinen Test bestanden hatten, konnten sie mit dem nächsten Heft weitermachen, das eine andere Farbe besaß. Schon bald hieß es dann unter den Kindern: „Die ist schon in dem blauen Heft und der erst in dem roten.“ Das führte auch zum „Schwanzvergleich“ unter den Müttern: „Wie weit ist deine Tochter denn schon? Meine ist ja schon so weit …“
Wozu führt das, wenn man als Kind schon an den Leistungen der anderen Kinder gemessen wird? Neid, Missgunst, Hänseleien (oder sollte man heutzutage Mobbing sagen?).
Unser Kind fing früh nach der Einschulung an sich zu verändern. Wie gesagt, war sie die Jahre vorher das liebste und unkomplizierteste Kind der Welt, aber nun war sie nach der Schule immer aggressiv und gereizt, Abends bekam sie Bauchschmerzen, wollte nicht mehr ins Bett, brauchte unglaublich viel Nähe, wurde über die Maße hinaus anhänglich und entwickelte Verlustängste und verschiedene Zwangsverhalten. Das waren alles Stresssymptome aufgrund des Drucks, dem sie in der 1. Klasse (!!!) durch Lehrern und Mitschüler/innen ausgesetzt war.
Daher entschieden wir uns, unsere Tochter ab der 2. Klasse auf eine Waldorfschule anzumelden. Das Konzept ist hervorragend. Bis zur achten Klasse gibt es keine Benotungen, daher entfallen das Konkurrenzdenken unter Kindern und der Schwanzvergleich der Eltern. Den Kindern wird früh soziale Kompetenz beigebracht und das sie nett und freundlich miteinander sein sollen. Bei Konflikten wird sofort interveniert. Auch Elternarbeit wird an den Schulen sehr gefragt und gefordert.
Schon wenige Wochen, nachdem unsere Tochter auf diese Schule gegangen ist, war sie wieder wie ausgewechselt. Glücklich, lieb, kam singend von der Schule zum Auto gelaufen, wurde ständig von Freunden eingeladen und ihre Freunde waren oft bei uns. Die Ängste und der Stress waren bald vergessen und sie konnte wieder Kind sein.
Leider hat das seinen Preis, der vom Gehalt der Eltern abhängig ist, denn eine Waldorfschule ist eine Privatschule. In unserem Fall kostet uns die Waldorfschule knapp 10% unserer monatlichen Netto-Einnahmen und das ist schon ein Batzen Geld. Ich bin froh, dass ich vor einigen Jahren mit dem Rauchen aufgehört habe, denn dadurch spare ich enorm viel Geld.

Was hatten wir also:
- Eine Eigentumswohnung, die wir abzahlen mussten
- Eine teure Privatschule, weil wir wollten, dass unser Kind glücklich ist und nicht zu einem sozialen, depressiven Krüppel geformt wird
- Ein Auto
- Einen gut bezahlten Job

Und dann passierte es: In dem Moment, wo es bei mir beruflich bergauf ging, gab es Neider auf der Arbeit, die mir das nicht gegönnt haben und ab dem Zeitpunkt wurde ich gemobbt. Ich war ein sehr selbstbewusster Mensch und von mir überzeugt, daher dachte ich mir, lass die doch reden. Das geht mir hier rein, da raus. Aber nach Jahren des Mobbings begann meine Fassade zu bröckeln. Das extrem angespannte Arbeitsverhältnis und der permanente Stress forderten seinen Tribut. Durch ständiges Niedermachen zweifelte ich irgendwann an mir selbst und wurde krank, bekam Angstzustände und extrem hohen Blutdruck. Soweit, dass ich selbst in meinem privaten Umfeld soziale Ängste bekommen habe, Angst vor Menschen, selbst vor Freunden, die ich jahrelang kenne. Nachdem ich dann mehrere Wochen mit einem Blutdruck von 180/120 auf der Arbeit herumgelaufen bin, zog ich die Notbremse, wendete mich an den Betriebsrat und ließ mich krank schreiben.


Ist-Zustand

Und da bin ich nun. Perspektivlos, im Moment nicht in der Lage zu arbeiten, weil die Folgen des Mobbings mich in jeden Bereich meines Lebens verfolgen und auch auf neue Arbeitsplätze verfolgen werden.
Und ich überlege, was kann ich tun? In erster Linie möchte ich wieder gesund werden, selbstbewusst, durchsetzungsfähig und wieder in der Lage sein, zu arbeiten, aber das kann Wochen dauern oder Monate oder Jahre. Eine Therapie wird helfen und ich bin bereit an mir zu arbeiten aber die Folgen von Mobbing, die sich über Jahre entwickelt haben, bekommt man nicht in kurzer Zeit weg.
Und was dann? Wieder auf meinen alten Posten zurück? Wieder dieser Situation aussetzen und in kurzer Zeit bin ich wieder an dem selben Punkt wie jetzt? Oder die Abteilung wechseln, wenn möglich? Oder einen neuen Job annehmen? So einfach ist das nicht, weil ich seit Jahren auf diesem berufsfernen Posten arbeite und meinen erlernten Beruf lange nicht ausgeübt habe. Außerdem würde ich dort bei weitem nicht so viel verdienen wie jetzt und ich habe ja hohe laufende Kosten, nämlich das Eigentum und die Schule.

Und da kommen wir zu den Gedanken, die ich mir gemacht habe:
Schon als Kind werden wir mit Spielzeug überladen. Die Kinderzimmer quellen über von Playmobil, Lego, Stofftieren, Barbies und allem, was das Kind sich wünscht, weil es das im Fernsehen sieht.
Wir bekommen von klein auf beigebracht, dass man gut in der Schule sein soll, um später einen guten Beruf zu bekommen, in dem man möglichst viel Geld verdient, damit man sich all das auch leisten kann, was man haben möchte.
Interessanterweise haben wir früh festgestellt, dass unsere Tochter sich oft Sachen gewünscht und auch mit ihrem eigenen Taschengeld gekauft hat, nur des Kaufens wegen. Sie hat dann 30 Minuten damit gespielt und es nie wieder angefasst. Das haben wir bald nicht mehr unterstützt. Mittlerweile hat sie einige wenige Spielsachen, die sie wirklich gern hat und mit denen sie immer wieder spielt. Außerdem ist ihr der Wert egal. Sie freut sich mehr über eine Kleinigkeit von etwas, das sie wirklich mag als irgendetwas seelenloses, teures, mit dem sie im Grunde nichts anfangen kann und was sie nur haben möchte, weil sie es in der Werbung gesehen hat. Das sind nur temporäre Wünsche, weil sie dahingehend manipuliert wird, es haben zu wollen.
Und das zieht sich weiter durch das ganze Leben. Ich habe Computerspielen als Hobby und immer die beste und neueste Hardware und ich rechtfertigte mein „Durchhalten“ auf der Arbeit trotz des Mobbings immer damit, dass ich das Geld brauche um glücklich zu sein, weil ich dann mein Hobby weiter pflegen kann. Ich habe über 500 Spiele in diversen Accounts und vielleicht 30 oder 40% davon erst gespielt. Brauche ich das wirklich? Brauche ich die neuste Grafikkarte oder reicht mir eine günstigere mit weniger Power? Dann spiele ich die Spiele zwar auf mittlerer oder niedriger Stufe, aber das ändert ja im Grunde nichts am Spiel.
Man häuft sich in seinem Leben Eigentümer an, die man nicht braucht, aber haben will: 500 Spiele, die man nicht spielt, Schränke voller Küchenmaschinen, die man kaum nutzt, 20 Paar Schuhe und Handtaschen und Armbanduhren für jedes Outfit. Einen Schrank von DVDs und Blurays, die man nur 1x sieht und die dann im Schrank verstauben.
Und warum? Weil alle sagen, das ist gut und weil uns gesagt wird, dass wir das brauchen um Spaß zu haben und glücklich zu sein und um den anderen Menschen sagen zu können: „Schau mal hier. Guck dir an, was ich habe, wieviel Geld ich habe und wie erfolgreich ich bin, dass ich mir all das leisten kann.“
Was habe ich also die letzten Jahre getan? Ich arbeite jeden Tag von morgens bis abends in einem Job, der mir keinen Spaß macht, mit Kollegen, die mich nicht ausstehen können, um mir das alles leisten zu können. Eigentlich habe ich kaum Zeit, das alles zu nutzen, denn abends bin ich zu müde und am Wochenende habe ich kaum Zeit. Deshalb habe ich ja auch nur 30% der Spiele gespielt.
Und die Wochen vergehen wie im Flug. Tag ein, Tag aus derselbe Trott. Morgens früh aufstehen und übermüdet zur Arbeit fahren, 8 Stunden lang arbeiten, jeden Tag der gleiche Ablauf, Routine. Abends nach Hause. Ich möchte mit meinem Kind spielen weil ich es liebe aber bin gestresst und genervt wegen der Arbeit und den Kollegen. Und leider bekommen das manchmal meine Frau und mein Kind zu spüren, weil ich kein anderes Ventil habe, denn auf der Arbeit muss man immer diplomatisch sein, professionell, nicht emotional, sachlich, wenn man weiterkommen und sich nichts zu Schulden kommen lassen will. Dann müde ins Bett und am nächsten Tag dasselbe Spiel von vorne. Man lebt von Wochenende zu Wochende, in denen man wenigstens für ein paar Stunden abends die Dinge genießen kann, die man sich von dem teuren Geld gekauft hat, zwischendurch mal ein paar Wochen Urlaub, aber was bleibt da eigentlich hängen? Ich kann mich an keinen Tag auf der Arbeit im letzten Jahr erinnern, es sei denn, es ist irgendwas besonderes vorgekommen, denn alle Tage sind gleich.
Im Urlaub und auch jetzt, wo ich krankgeschrieben bin und jeden Tag nutzen kann, bleibt viel mehr hängen, ich lebe bewusst und die Zeit vergeht langsamer, ist bedeutender und erinnerungswürdig.
Das bekommt man auch von der Gesellschaft geschenkt, nämlich wenn man 40 bis 50 Jahre lang gearbeitet hat und dann in Rente geht. Dann muss man nicht mehr arbeiten und bekommt trotzdem Geld, wenn auch wenig. Aber man hat Zeit und kann endlich bewusst leben. Vorausgesetzt natürlich man erreicht das Rentenalter und stirbt nicht vorher an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. Vorausgesetzt man ist noch gesund genug, um das überhaupt genießen zu können. Dann hat man mit etwas Glück noch ein paar Jahre bevor man stirbt und die Staatskasse entlastet.
Leider kenne ich genug Fälle, die dieses Alter nicht erreichen oder kurz nach dem Renteneintritt sterben oder zum Pflegefall werden. Aber selbst wenn nicht, was bleibt dann übrig von dem Leben? 40 Jahre Arbeit, die nun von einem anderen übernommen wurde, weil man austauschbar ist. Nach 2 Monaten ist man dort vergessen. Nur wenige Menschen, weniger als 1% sind so bedeutend, dass ihre Arbeit überdauert oder im Nachhinein einen besonderen Wert hat. Nun gut, werden einige sagen, ich habe ja wegen dem Geld gearbeitet, damit ich mir die schönen Dinge im Leben leisten kann. Spiele, dich ich nicht spiele, Maschinen, die ich nicht nutze und dicke Autos, damit ich auf dem Weg zur Arbeit und zurück damit angeben kann. Dinge, für die ich kaum Zeit hatte, weil ich jeden Tag arbeiten musste, um sie mir leisten zu können. Dinge, die ich eigentlich überhaupt nicht gebraucht und kaum genutzt habe.
Ironischerweise habe ich letzens The Witcher 3 gespielt und da kam eine Szene vor, in der Geralt von Riva mit seinem Vampirfreund Emiel Regis Rohellec Terzieff-Godefroy auf einem Baumstamm inmitten einer Waldlichtung vor einem Lagerfeuer saßen und sich unterhalten haben. Da dachte ich mir: Ist das nicht eigentlich Leben? Ist das nicht ein wirklich erinnerungswürdiger Moment? Mit seinem Freund am Lagerfeuer sitzen und sich unterhalten, philosophieren. Das kostet nicht Mal etwas. Und was tue ich? Ich spiele dieses teure Spiel auf meinem teuren Computer und betrachte die virtuellen Figuren im Spiel, die bewusster und wahrhaftiger Leben als ich. Überall in den Medien haben wir diese Figuren und Charaktere, denen wir nacheifern, die wir bewundern und mit denen wir gerne mal tauschen würde, aber natürlich wissen wir, dass es nur Filme sind, unrealistische Träume aus Hollywood. Aber dank den Medien, den Filmen und Spielen bekommen wir ein Stück dieses Lebens mit, fühlen uns gut und wieder haben wir einen Grund, viel Geld zu verdienen, denn mit größeren Fernsehern, teurerer Hardware und Netflix-Abos können wir mehr Filme in noch besserer Qualität genießen und uns in andere Leben träumen, fernab unseres eigenen versklavten Selbst ohne Sinn und Ziel.
Das Hobby Computerspielen von mir ist im Grunde nichts anderes als eine Angewohnheit. Angewohnheiten kann man ablegen und sich auch andere Beschäftigungen suchen oder auch einfach erstmal die 60% ungespielter Spiele zuende spielen. Ich dachte immer, ich brauche das, um abzuschalten, um glücklich zu sein, aber eigentlich brauche ich das nicht. Es gibt so vieles, was erinnerungswürdiger ist und kein Geld kostet. Jetzt leben, bewusst leben, auf diese Gesellschaft scheissen, auf Arbeit und Geld scheissen. All das hat mich kaputt gemacht und raubt mir mein Leben. Nun gut, dachte ich mir, jetzt wo ich das durchschaut habe und eigentlich keinen Wert auf diese weltlichen Dinge legen muss, kann ich es ja sein lassen. Scheiss auf die Gesellschaft! Und was ist die beste Möglichkeit, auf die Gesellschaft zu scheissen? Sie ausnutzen, wie sie mich jahrelang ausgenutzt hat. Werde ich halt arbeitslos und bekomme Grundsicherung, aber dafür habe ich Zeit, keinen Stress, werde nicht krank und kann mein Leben, meine Zeit genießen. Aber leider hat die Gesellschaft mich bei den Eiern, denn die Gesellschaft lässt das nicht zu. Wenn es so einfach wäre, würde das kranke System ja nicht funktionieren.
Ich liebe meine Tochter über alles und genau das ist der Grund, warum ich in diesem System gefangen bin. Wenn ich meinen Job verlieren würde, könnte meine Tochter nicht mehr auf die Waldorfschule gehen, denn wie bereits erwähnt kostet die Schule sehr viel Geld. Das würde zwangsläufig dazu führen, dass sie wieder auf die Regelschule müsste und dadurch würde sie wieder dem Stress ausgesetzt sein, wieder Bauchschmerzen bekommen, an dem System erkranken, genau wie ich und das würde ich mir nie verzeihen.
Ironischerweise sind auf der Waldorfschule der Großteil der Kinder aus alternativen, freidenkenden Familien. Menschen, die vegan leben, Alt-Hippies, Menschen, die augenscheinlich das System durchschaut haben und Wert auf Fair-Trade- und Bio-Produkte legen. Menschen, die gegen Ausbeutung der Dritten Welt sind. Gute Menschen, die gute Werte vertreten und sich Gedanken machen. Diese Menschen legen Wert darauf, dass ihr Kind nicht Sklave dieses Systems wird, nicht in einer Regelschule erzogen wird und stattdessen bessere Werte erlernt.
Das wäre für die Gesellschaft ja eigentlich schlecht und kontraproduktiv. Die Gesellschaft will keine Freidenker, sondern Arbeiter, die Geld erwirtschaften und wieder ausgeben, die produzieren und das System am Leben halten, also hat sich die Gesellschaft etwas Schlaues einfallen lassen: sie sorgt dafür, dass solche Schulen viel Geld kosten, sehr viel Geld. Soviel Geld, dass Eltern, die ihre Kinder auf diese Schulen schicken wollen, sehr gute produktive Mitglieder dieser Gesellschaft sein müssen, damit sie sich diese Schulen leisten können. Sie müssen also arbeiten, produzieren, noch mehr Geld verdienen und noch mehr für die Gesellschaft tun als der Durchschnitt, um ihre gesellschaftskritische Einstellung ihren Kindern auf Privatschulen beibringen zu können. Und diese Kinder, die die Vorzüge solcher Schulen am eigenen Leibe erfahren haben, wollen ihre Kinder natürlich auch auf Privatschulen schicken. Um das tun zu können, müssen sie aber überdurchschnittlich wertvoll für die Gesellschaft sein, damit sie sich das leisten können.
Auch die Fair-Trade- und Bio-Produkte und Kinderkleidung ohne chemische Zusätze und dergleichen, die viele alternative Menschen, die im Grunde das System kritisieren, bevorzugen sind viel teurer als die normalen Produkte. Also muss man wieder viel Geld verdienen, um diese Produkte kaufen zu können, aber was erreicht man damit? Man unterstützt das System, das man eigentlich kritisiert. Man unterstützt es sogar mehr als alle anderen fügsamen Sklaven, weil man noch mehr Geld in das System steckt, das fröhlich weiter die Dritte Welt ausnutzt, Tiere quält und ungesunde Nahrung und Kleidung produziert.

Und so sind wir alle Sklaven und die wenigen, die wirklich aus dem System ausbrechen, werden verachtet, weil sie uns arbeitenden auf der Tasche liegen und unser wertvolles Geld stehlen.


Eure Meinungen dazu sind willkommen. Ich freue mich über konstruktives Feedback.

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